Die angewandten Methoden lieferten Hinweise auf eine Fundstelle im südlichen Teil des geplanten Seetunnels. Die Bohrkerne enthielten eine organische Schicht mit Holzkohle, Keramikscherben und Silexsplitter. Die Schicht enthielt verbrannte Getreidereste und erhaltene Samen und Kerne von Sammel- und Kulturpflanzen wie Getreide, Lein, Holzäpfel, Beeren, Nüsse und andere. Die Radiokarbonmethode datiert die Schicht auf 3300 v. Chr. Mit den Handbohrungen liess sich die Ausdehnung der Kulturschicht und somit der Fundstelle auf 1500 m2 eingrenzen. Davon liegt die Hälfte im Trassee des geplanten Seetunnels.
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Ein Bohrkern wurde am Institut für Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA) an der Universität Basel untersucht. Die Schichtabfolge der Sedimente ist wie folgt beschrieben und interpretiert:
- Tsunami und Tanzverbot 1601 - Kanton Luzern
- Überschwemmung Krienbach: Im frühen Mittelalter um 650 n. Chr. musste sich ein Überschwemmungsereignis mit enormem Ausmass ereignet haben. Offenbar führte u.a. der Krienbach Schutt und Geröll in grosser Menge ins Seebecken.
- Anstieg Seespiegel: Ein dauerhafter Anstieg des Seespiegels hatte Auswirkungen auf das Landschaftsbild: Das ehemals trockenliegende Gebiet war nun bleibend unter Wasser.
- Organische Schicht um 3300 v. Chr.: Die sogenannte «Kulturschicht», eine menschgemachte Abfallschicht, ist Teil der momentan ältesten nachgewiesenen Siedlung von Luzern. Aufgrund der mächtigen Überdeckung durch Sedimente und dem dauerhaft feuchten Milieu sind die organischen Reste sensationell gut erhalten. Daraus können wir sehr viel über die Menschen vor 5300 Jahren erfahren: Was assen sie, welche Haustiere hielten sie, welche Pflanzen sammelten sie, was für Getreide bauten sie an, welche Parasiten plagten sie, etc.?
Viele offene Fragen
Nebst den vielen Fragen zum Leben der damaligen Menschen ist auch diejenige zum Erscheinungsbild des Dorfes noch vollständig unbeantwortet. Pfähle und Bauhölzer als Überreste von Wohnhäusern, Böden, Palisaden und Wege werden zukünftig Hinweise liefern zur Grösse der Häuser, zu ihrer Nutzung als Wohn- und/oder Gewerbezwecken, zur Ausdehnung und Gliederung der Siedlung, zu ihrer Besiedlungsdauer und vieles mehr.
Beteiligte am Vorprojekt
Anna Kienholz bei der Dokumentation eines Bohrkerns