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Archäologie

Schenkon, Kirschgarten 44/46: Archäologische Ausgrabung

Im Vorfeld der letzten Überbauungsetappe im Kirschgarten wurde eine archäologische Sondierung mit Baggerschlitzen durchgeführt, um mögliche archäologische Funde und Befunde vor dem Bau zu fassen. Grund für die Sondierung war die topografische Lage und Nähe zu anderen bekannten archäologischen Fundstellen wie die Halbinsel Zellmoos, Halbinsel Trichter und Gammainseli (UNESCO-Welterbe, Pfahlbausiedlungen aus der späten Bronzezeit).

Die Sondierung im April konnte den Nachweis erbringen, dass die Parzelle im Kirschgarten in prähistorischer Zeit genutzt wurde. In Absprache mit der Bauherrschaft konnte der Aushub vorgezogen und eine archäologische Ausgrabung durchgeführt werden.

Eine vielschichtige Besiedlungsabfolge

Die Sondierung und die Ausgrabung schildern ein erstes Bild der Besiedlung im Kirschgarten: Nach dem Rückzug des Gletschers der letzten Eiszeit bildete sich über die Zeit eine Auenlandschaft. Der heute kanalisierte Chommlibach bestand damals aus mehreren Bachläufen, die sich mäandrierend in die Talebene schlängelten. In dieser Landschaft fassen sich die ersten Spuren des Menschen.

Nach ersten Erkenntnissen deponierten in der mittleren- oder späten Bronzezeit (ca. 1600-850 v. Chr.) die Bewohner einer in der Nähe liegenden Siedlung ihre Abfälle (wie Kochtöpfe) am Rande des Flusses. Die bronzezeitliche Siedlung lag wahrscheinlich in nächster Nähe des Ausgrabungsareals. Pfostengruben und zwei Gruben mit darin Keramikscherben und zum Teil auch verbrannte Knochen zeigen, dass das Grabungsareal auch Teil des erweiterten Siedlungsraums war. Es wurde versucht das Wasser mit einem Graben zu kanalisieren, allerdings ohne grossen Erfolg. Später änderte sich der Flusslauf wieder und überschwemmte die Parzelle wieder. Bei einer erneuten Richtungsänderung des Flusses wurde der untersuchte Teil der Parzelle wieder überschwemmt. Mit einem rund 2 m breiten Steinhaufen aus Geröll wurde versucht das Bachbett zu stabilisieren.

In der folgenden Zeit war die Parzelle immer wieder – vermutlich saisonal – überschwemmt und es lagerten sich feine Sedimente ab. Das Areal wurde während den Trockenperioden wiederum genutzt, was eine Feuerstelle zeigt.

Die Funde und Befunde aus der mittleren- oder späten Bronzezeit (1600-850 v. Chr.) dürften zu einem grösseren Siedlungsgebiet gezählt werden. So erstreckt sich der erweiterte Siedlungsraum des UNESCO-Welterbes der Pfahlbausiedlung am Sempachersee bei vermutlich bis hoch in den Kirschgarten.

  • Drohnenfoto vom ersten Tag der Sondierung. Anhand der prähistorischen Keramikfragmente in den Schwemmsedimenten war bereits hier klar: in der Nähe muss eine Siedlung liegen (Foto: R. Schmid/KA LU)

  • Mitarbeitende der Kantonsarchäologie am Präparieren und dokumentieren des Südprofils mit den verschiedenen Schichten. Um gegen das Austrocknen der Profile vorzugehen, werden diese mit Plastik abgedeckt und etappenweise dokumentiert (Foto: R. Schmid/KA LU)

  • Zwischenfoto bei der Ausnahme einer bronzezeitlichen Grube mit mehreren Verfüllungen. Die Grube enthielt zahlreiche Keramikfragmente (Foto: V. Wenger/KA LU)

  • Eine kleine Auswahl der bereits freigelegten und gereinigten Keramikfragmente. Sichtbar sind unter anderem Rand- und Bodenscherben von Töpfen aber auch verzierte Wandscherben (Foto: B. Clements/KA LU)

  • Foto der Feuerstelle mit den verbrannten und kleinräumig verlagerten Steinen. Stellenweise ist auch noch der vom Feuer brandgerötete Lehm sichtbar (Foto: R. Schmid/KA LU)